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Geschichte des Sonnwendfeuers
Ursprünge:
Für die Menschen vorchristlicher Zeit war die Sonnenwende ein beeindruckendes und wichtiges Ereignis im Jahreslauf. Die Sonne bildet am 21./22. Juni auf ihrer Bahn den größten Winkel zum Himmelsäquator, es herrscht beinahe eine Tag- und Nachtgleiche, der Sommer beginnt. Von der großen, festlichen Veranstaltung, mit der schon die Heiden diesen wichtigen Wendepunkt im Jahr begingen (nach germanischer Rechnung war "Mitsommer" der 24. Juni), hat sich bis in die heutige Zeit in zahlreichen deutschen Gebieten das sogenannte Sonnwendfeuer erhalten. Die Feuer sollten wohl die Sonne symbolisieren und ihre Kraft sichern, denn mit dem auf diese Zeit folgenden Kürzerwerden der Tage kam schließlich die Winterkälte. Leider sind nicht allzuviele Bräuche aus dieser Zeit überliefert, da sich jedoch die Kirche lange (vergeblich!) um die Abschaffung dieser "heidnischen" Feuer ("Simmetfeuer") bemühte, weil einige der Traditionen und Bräuche die heute noch bekannt sind, wohl aus vorchristlicher Zeit stammen, lassen sich gewisse Rückschlüsse ziehen (=> Bräuche und Traditionen).
Aus diesem Grund wurde schließlich das Fest Johannes des Täufers, der laut biblischer Überlieferung sechs Monate vor Christus zur Welt gekommen war, auf den 24. Juni (also exakt 6 Monate vor Weihnachten) gelegt, da er die "Leuchte der Menschheit" gewesen sei. Deshalb ist das Sonnwendfeuer auch als Johannifeuer bekannt. Der Gedenktag Johannes des Täufers ist seit dem 5. Jahrhundert nachweisbar und wurde im Mittelalter mit Wallfahrten, Prozessionen und Volksfesten begangen. Die Johannifeuer, die am Vorabend des 24. Juni oder zur Mittagsstunde des Johannitages selbst in ganz Deutschland entfacht wurden sind seit dem 10. Jahrhundert bezeugt und werden oft auffällig detailliert geschildert, auch wenn das Treiben zu jener Zeit oftmals eher mißbilligend beschrieben wurde.
Johannisfeuer und Johannistag in jüngerer Vergangenheit:
Die ältesten Belege für die Entzündung von Johannifeuern in Franken reichen bis ins ausgehende Mittelalter zurück. In einer Nürnberger Stadtchronik z. B. soll zu lesen sein,"...daß am Johannitag des Jahres 1487 Markgraf Friedrich und sein Bruder Sigmund zahlreiche Fürsten und die Bürgermeister der Stadt samt ihren Frauen zu einem prächtigen Fest eingeladen hatten (...) Nach dem Festmahl ward `ein groß sünbentfewer (Sonnwendfeuer) gemacht´, das schließlich alle Festteilnehmer umtanzten." ([1], S. 167).
1471 soll sogar Kaiser Friedrich III. höchstpersönlich in Regensburg zum Festtanz erschienen sein ([3], S. 141).
Mit der Zeit wurden jedoch die meisten dieser Feuer nicht mehr entzündet und schließlich ab dem 16. Jahrhundert von behördlicher Seite eingeschränkt oder verboten. Immer wieder sollen nämlich solche Feuer Häuser und ganze Ortsteile zerstört haben. Außerdem war der Kirche die Fortführung einiger heidnischer Traditionen , vor allem durch die Jugend, ein Dorn im Auge: "Das älteste Verbot der Stadt Ansbach stammt aus dem Jahre 1584. Es nennt aber nur den Namen `Johannesfeür´ und verzichtet auf weitere Einzelheiten. Erst in späteren Nachträgen wird darauf hingewiesen, daß die Jugend mit dem Anzünden des Johannesfeuers `allerhand uppigkeyt und ungebür uff den gassen zuetreiben pflegt´." ([1], S. 168)
Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Wiederbelebung dieses Brauches.
Bräuche und Traditionen:
Galt das Sonnwendfeuer ursprünglich als Symbol für die Sonne und die Kraft der Natur die im Sommer wieder erstarkt war, bildete sich im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Bräuchen und Ritualen, die oft noch aus vorchristlicher Zeit stammen, auch wenn sie heute kaum noch durchgeführt werden.
Meist war die Jugend mit dem Sammeln des Brennmaterials beauftragt, weshalb sie in den Tagen vor dem Fest durch die Ortschaft zog, Holz und brennbares Material von den Bewohnern einsammelte und zu einem Scheiterhaufen auftürmte (wie es ja heute noch üblich ist).
Oft wurde Unkraut in die Flammen geworfen damit es ein Jahr lang nicht mehr wachsen sollte. Ein anderer, äußerst kurioser Aberglaube war, mit bestimmten anderen Kräutern (Beifuß und Eisenbart) sei die angeblich heilende Kraft des Feuers noch zu verstärken: Man setzte sich aus Kräutern gefertigte Kränze auf den Kopf und blickte nur durch diese in das Feuer um sich vor Augenkrankheiten zu schützen. Auch fertigte man Sträuße aus Beinwell (oder Rittersporn), welche den selben Zweck erfüllen sollten.
Bekannt war auch der sogenannte Sprung über das Johannifeuer, wofür aber verschiedene Deutungen überliefert sind: In einigen Gebieten Deutschlands schloß man aus der Höhe des Sprunges auf die bevorstehenden Ernteertäge ([3], S.142). Anderswo diente der Sprung der Vorraussage des Eheglücks eines Paares: Jeweils ein heiratswilliges Paar sprang Hand in Hand über das Feuer. Wenn sie sich dabei nicht losließen war dies als gutes Zeichen zu deuten, eine baldige Hochzeit war also zu erwarten. Nach dem Sprung wurde Met getrunken um Schönheit und Stärke zu fördern ([4], S. 221).
Üblich war es auch angesengte Holzstücke vom Johannifeuer in in Äcker und Felder zu stecken um das Gedeihen der Feldfrüchte zu fördern (Johannes der Täufer gilt unter anderem als Patron der Bauern, Hirten und Winzer).
Sogar die Asche und der Rauch des Johannifeuers sollte die Fruchtbarkeit fördern und die Luft von bösen Geistern reinigen. So ließ man krankes und gesundes Vieh durch die Asche oder den Rauch
gehen um es zu heilen oder vor Krankheiten zu bewahren, selbst Kinder wurden in den Rauch des Sonnwendfeuers gehalten ([3], S. 142). Dieser Aberglaube rührte wohl daher, daß die Ausbreitung von Seuchen im Sommer am Gefährlichsten war und man auf die luftreinigende Kraft des Feuers vertraute, welche Teil des Glaubens unserer heidnischen Vorfahren war.
Außerdem sollten verkohlte Holzstücke des Johannifeuers, welche man unter das Dachgebälk eines Hauses steckte, vor Blitzschlag und Schäden durch Unwetter schützen ([4], S. 221).
Eine Tradition welche heute noch erhalten ist, besteht darin, den Holzhaufen schon in den Nächten vor dessen Entzündung zu bewachen, um zu verhindern, daß rivalisierende Gruppen aus anderen Ortschaften das Feuer schon vor dem eigentlichen Festtag entzünden. In Muhr am See ist das sogenannte "Bewachen" durch die Dorfjugend ein "wichtiger" Bestandteil der Sonnwendfeier.
Und auch wenn die Johannifeuer ursprünglich von der Kirche eher mißbilligend in Kauf genommen worden waren, muß es sogar schon im frühen Mittelalter in einigen Gegenden üblich gewesen sein, das Feuer von einem Priester segnen zu lassen. ([3], S. 141)
Sonnwend- und Johannifeiern heute:
In heutiger Zeit ist es eigentlich nur noch in einigen ländlichen Gebieten üblich, daß die ortsansässige Jugend eine Sonnwendfeier veranstaltet. Vor allem die damit verbunden Gebräuche sind so gut wie nirgendwo mehr erhalten. Dennoch findet sich alljährlich eine beachtliche Menschenmenge ein, um dort, wo man sich noch die Mühe macht solch einen Holzstoß zu errichten, mit der Jugend zu feiern. Man will sich zwar nicht mehr vor Geistern und anderen Gefahren schüzen, viele Besucher sind aber dennoch von den gewaltigen, lodernden Scheiterhaufen fasziniert.
Zusammengetragen von Alexander Gilch.
Literatur:
[1] Kriegelstein, Alfred (Hrsg.); Jahreslauf - Brauchtum in Mittelfranken; Delp`sche Verlagsbuchhandlung, München und Bad Windsheim, 1986
[2] Mairs Graphische Betriebe (Hrsg.); Alte Bräuche - Frohe Feste; Mairs Geographischer Verlag, 7302 Ostfildern 4 (Kemnat), 1984
[3] Feilhauer, Angelika; Feste feiern in Deutschland; Sanssouci im Verlag Nagel und Kimche AG, Zürich, 2000
[4] Ebertshäuser, Heidi C.; Das bairische Jahr - Brauchtum in Bayern; Verlag Heinrich Hugendubel, München, 1974



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